Sehr geehrter Herr Pascal Alter !
Würden Sie Ihren Bauch oder den Ihrer Partnerin für das Austragen des Kindes wildfremder Menschen hergeben? Für mich sind damit zwei unüberwindbare Vorstellungen verbunden: Erst für eine fremde Familie morgens über der Kloschüssel hängen und dann, neun Monate später, das in mir gereifte Wesen für immer herzugeben zu müssen.
Meine Kollegin Barbara Hardinghaus hat die schwangere Georgierin Jana begleitet: Jana trägt ein Kind aus dem Samen eines Schweden und der Eizelle einer ihr unbekannten Landsmännin aus. "New Life Georgia" heißt eine Agentur in Tiflis, die Leihmütter an ausländische Paare vermittelt - und Eizellspenderinnen gleich dazu. Jana ist 29, verheiratet, Mutter zweier Söhne; viele ihrer Verwandten beneiden sie um ihre Leihmutterschaft: Die 15.200 Dollar, die Jana dafür erhalten wird, stellen im bettelarmen Georgien ein Vermögen dar.
Auch wenn Jana wie die biblische Maria das Kind eines Fremden austrägt, ist ihre Geschichte alles andere als weihnachtlich. Wenig adventsgestimmt sind in diesen Wochen auch viele Karstadt-Angestellte. Die Wirtschaftsredakteurin Simone Salden porträtiert die Filiale im Hamburger Stadtteil Billstedt. Sie steht nach 37 Jahren vor der endgültigen Schließung. Bei Karstadt Billstedt gibt es noch Verkäuferinnen, die stundenlang ganze Familien eingekleidet haben - von der Unterhose bis zum Strohhut. "Personal Shopper" müssten diese Verkäuferinnen heute eigentlich heißen. Doch steht diese Profession vor dem Aus, seitdem immer mehr Kunden im Internet ihr "Personal Shopping" erledigen.
Die Oper von Donezk im prorussischen Osten der Ukraine hat der Krieg schwer getroffen. Örtliche Kämpfer hatten sich im Requisitenlager verschanzt, auf sie gerichtete Raketen haben die Kulissen zu Verdis "Rigoletto" verwüstet. Die Reporter Christian Neef und Moritz Gathmann waren zu Besuch bei der vermutlich denkwürdigsten "Rigoletto"-Aufführung der Welt: Draußen grollten die Artilleriegeschütze, drinnen dirigierte ein Sänger, die Inspizientin war 80 Jahre alt, und die Bühnenbild stammte eigentlich von "Romeo und Julia". Die Hauptrolle gab ein russischer Solist pro bono: "Nur das Schöne rettet die Welt", sagte er zu meinen Kollegen. Der Mann hat recht: "Granaten und Rosen" liest sich für mich wie eine vorweggenommene Weihnachtsgeschichte.
Ihre Annette Bruhns
SPIEGEL-Redakteurin
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